Die Presse

 

Liebeslieder zum Vanilleeis

05.06.18 Rotenburger Kreiszeitung

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© Heyne

Werner Winkel unterhielt mit nachdenklichen Texten und eingängigen Melodien.

Fintel – Ein bisschen Hannes Wader, ein bisschen Gunter Gabriel – doch die Klänge, die Besuchern der „Lütje Isdeel“ am Wochenende aus dem lauschigen Garten entgegenwehten, gehörten zu einem anderen, nämlich Werner Winkel.

„Chansonnier mit deutschen Texten“ nennt sich der Ottersberger Singer-Songwriter, der sein jüngstes, zweites Album für Erwachsene „Wieder Zuhause“ an dem etwas anderen Veranstaltungsort vorstellte.

Eingeladen worden war der vor allem als Kinderliedermacher bekannte Mittsechziger vom Kulturverein Kulturknick, der nach einer ruhigeren Phase nun wieder durchstartet. Die Bereitschaft der Eisdielen-Betreiberin Doris Golücke, ihr kleines Café Op‘n Block kostenlos zur Verfügung zu stellen, kam da gerade recht. „Eine tolle Location – nur etwas mehr Besucher wären schön“, so der Künstler in der Pause.

In der Tat: Einbrechende Temperaturen nach wochenlangem Hochsommerwetter hatten die Bierbänke vor der ehemaligen Garage, die nun als Bühne fungierte, nur mit etwa 20 Gästen gefüllt. „Nicht so schlimm“, findet Ute Kreib vom Kulturknick-Vorstand, „Hauptsache ist, dass diejenigen, die hier sind, etwas mitnehmen und eine gute Atmosphäre herrscht.“

Und das bewahrheitete sich. Nicht nur mit teils nachdenklichen, zuweilen poetischen und häufig kritisch-ironischen Texten in bester Liedermacher-Manier fesselte der Ottersberger seine Zuhörer, sondern auch mit schön durchkomponierten Melodien und stimmiger Begleitung mit Gitarre und Mundharmonika.

Thematisch bezieht der auch als Puppenspieler und mit einem plattdeutschen Duo-Programm seine Einflüsse, so verriet er in seinen Moderationen, auch von anderen Dichtern und Autoren wie etwa Ringelnatz – wichtiger als dessen Aussage ist jedoch die eigene Interpretation. So fragt er sich zu Rock‘n Roll-Riffs: „Bist du glücklich mit deinem Leben?“, schlägt mit seinem skurrilen Song „Der Narr“ einen Bogen zu Trump, bricht eine Lanze für die Frauen, „die keinen Märchenprinz brauchen“ und lässt bei der Anmoderation zur vertonten Bankenkritik den Alt-68er durchscheinen.

Auch Romantiker kommen auf ihre Kosten, wenn er eines seiner Liebeslieder vorträgt – und beim „Autobahnsong“ schafft Winkel es gar, einen kleinen Publikumschor zu motivieren. Hut ab – und möglichst großzügige Spenden hinein, denn Eintritt hat das nachmittägliche Hörvergnügen nicht gekostet.

hey

„Reinhard Mey hatte ich nicht immer im Hinterkopf“

Werner Winkel zieht Publikum in der Auburg schnell in seinen Bann

17.04.18 Kreiszeitung Wagenfeld

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© Brauns-Bömermann

Werner Winkel pflegt die Liedermacher-Gilde, trägt seinen Teil zur Aufklärung bei und regt zum Nachdenken an.

Wagenfeld – Von Simone Brauns-Bömermann. Ja, es waren die Lieder von Reinhard Mey und ja, es waren auch die eigenen, die begeisterten und zum Lachen brachten. Die Rede ist von Werner Winkel, ein fast 68ziger, wie er selbst erzählt in der Auburg, der das Publikum schnell zu seinem machte in seinem Konzert am Samstagabend.

Er steht schon seit den 1970er Jahren mit seiner Gitarre auf der Bühne, die Mundharmonika ist stets dabei.

Der Musiker ist auch Puppenspieler, stammt aus Ottersberg und ist glühender Fan des Liedermachers Franz Josef Degenhardt. Auch Hannes Wader ist sein Vorbild. Zu Reinhard Mey kommt er erst später, erläutert der Künstler im Verlauf, doch dann entfacht die Begeisterung für den vielfältigen Liedermacher. „Ich liebe eigentlich Rockmusik, Reinhard Mey hatte ich nicht immer im Hinterkopf. Aber er hat so unglaublich tiefsinnige und gesellschaftskritische Songs, die hängen bleiben.“

Das Schöne sei bei den Songs von Mey, dass sie so langlebig und aktuell seien, auch wenn schon vor 20 Jahren geschrieben. Wie das Lied „Gretel und Kasperle, Großmutter, Wachtmeister und Krokodil“. In Peter Lustig Manier nimmt Mey Politik aufs Korn. Winkel ergänzt nach dem Stück: „Und der Trump ist in dem Puppenspiel der Theaterdirektor.“ Die folgende Eigenkomposition „Vielleicht kann man es noch gebrauchen“ erinnert an das TV-Format „Bares für Rares“ und jeder Gast im Saal denkt schnell über sich selbst nach. Das Sammelgen schlägt von der Bühne entgegen mit Fazit „Garage, Boden, Keller, Stube dicht, dann wohne ich im eben im Zelt.“ „Der bunte Hund“ ist wieder von Mey und ein Wortspiel par excellence mit Freiheitsanspruch, der Hund nur als Transportmittel der Message wie in einer Fabel.

Winkel rührt die Werbetrommel für von Hand gemachte Musik, entführt in vergangene Zeiten mit Parallelen zum Heute.

Er erinnert sich an die Zeiten mit fünf Liter billigem Lambrusco und endlosen Diskussionsrunden, mit Reden und Philosophieren über Gott und die Welt. „Ist gerade in aller Munde mit dem Todestag von Rudi Dutschke“, meint Winkel. An der Zeit störte ihn aber früher und heute, dass alles so verkopft war.

Es wird ein herrlich zartes Konzert, wie in der Art Balladen-Rapper beim Song „Annabelle“, einem Zungenbrecher von Mey. „Ich spiel das in halber Geschwindigkeit, sonst krieg ich das nicht hin.“ Richtig Stellung nimmt er gegen Agitatoren mit Namen wie Trump, Assad, Putin, Machthaber dieser Couleur. „Nein, meine Söhne geb´ ich nicht“ von Reinhard Mey ist der Aufruf zum Ungehorsam gegen Unvernunft und Willkür. Der Text ist absolut nachlesenswert, hat Passagen wie: „Ihr werdet sie nicht mit Hass verderben, ich werde sie den Ungehorsam lehren, sie werden nicht in Reih’ und Glied stehen, nicht durchhalten, ich werde mit ihnen fliehen in Armut wie Diebe, wir haben nur ein Leben.“ Das mit der Armut erinnert daran, dass jeder ein Flüchtling werden kann. Zu dem Thema „Krieg ist generell Mist“ hat Winkel auch selbst ein Lied geschrieben: Das geht hart ins Gericht mit scharfer Wortwahl mit den Verantwortlichen. Es geht um hitzköpfige Psychopaten, die in weiche Sessel furzen und Kinder in den Tod schicken. „Da lob ich mir die Könige von früher, die sind wenigstens vorneweg geritten.“

Mit den Hempels erinnert er an alle Spießer, die die Leichen nicht im Keller, sondern unterm Bett oder Sofa haben. „Sind hier Hempels im Saal?“, fragt Winkel. „Nö, die räumen auf“, die schlagfertige Antwort vom Wagenfelder Publikum. Werner Winkel pflegt die Liedermacher-Gilde, trägt seinen Teil zur Aufklärung bei und regt zum Nachdenken an. Eins mit Gesang an Gitarre.

 

07/2017 – Seit seiner Jugend ist Werner Winkel musikbegeistert und spielt Gitarre. „Das taten damals einige. Wir hörten die Beatles, Simon & Garfunkel, aber auch die Rolling Stones. Und mit der Gitarre konnte man schneller seine ‚Helden‘ nachspielen, die wir damals bewunderten“, erzählte Winkel aus seinen Anfängen. Aus ihm ist dann irgendwann ein Liedermacher geworden, der im Stil irgendwo zwischen Reinhard Mey und Hannes Wader liegt. Bei seinem Konzert beim FORUM hatte er mit seinem Programm „Wieder zu Haus“ kritische Songs genauso wie Balladen und Liebeslieder dabei.

Bekannt ist Werner Winkel in Bomlitz für Insider schon seit vielen Jahren. Mit seiner Frau Christine betreibt er die Puppenbühne „Goldener Schlüssel“ und ist damit regelmäßiger Gast auf dem FORUM-Märchenfest Anfang September. So sehr sich der Musiker aber mit Kindern auch wohlfühlt, hatte er auch immer ein „Erwachsenen“-Programm dabei.

„Einmal der Narr sein“, wünschte sich Werner Winkel im Bomlitzer Dorfgemeinschaftshaus, „und die Welt verdrehen dürfen.“ Und ein bisschen tat er es bei seinen Gästen mit einem freundlichen Schmunzeln und sang von der Deutschen Bahn oder Finanzhaien. Daneben klangen seine Liebeslieder besonders gefühlvoll, warm klingend begleitet von seinem Fingerpicking auf der Gitarre. Die Gäste mochten sowohl die Musik als auch die klugen Texte, lehnten sich entspannt zurück und hörten zu. Sympathisch waren auch die Stücke, in denen Werner Winkel schwungvoll und fröhlich über sich selbst und ganz übliche Marotten lächeln konnte.

„Wieder zu Haus heißt, zurück zu kommen von einer Reise. Eine musikalische Reise mit vielen Erlebnissen, Bekanntschaften und neuen Erfahrungen. Mit Texten, die das Leben tragen oder vom Leben getragen werden.“ Werner Winkel hatte in Bomlitz seinen Reisebericht vorgestellt und wird sicher weiterhin regelmäßig auf der Durchreise sein.

Forum Bomlitz

 

…Werner Winkel verbindet auf professionelle und glaubhafte Weise beide Komponenten in geschmeidigen, höchst unterhaltsamen Liedern. Er ist es auch, der nostalgische Gedanken kitzelt. Überhaupt bewegt sich Werner Winkel, begleitet von Petra und Henning Grossmann an Cello, Geige, und Akkordeon, in Melodik und Intonation im vertrauten Spektrum zwischen Reinhard Mey und Hannes Wader.

Köstlich seine Persiflage auf jenen ausgebrannten und suchenden Zeitgenossen, der im Anzeigenteil moderner Stadtgazetten sein Heil in der esoterischen Lebensverschönerung sucht und anschliessend gegen das Verheißungsvokabular zwischen Karma und Ajurveda polemisiert. Winkel scheut sich auch nicht, seiner Holdesten in einer Innigkeit die Sterne vom Himmel zu holen, die der Schwärmerei eines Eichendorff würdig wäre. Er überzeugt auch mit guter Stimme und Entertainer-Qualitäten.
Weser Kurier

Werner Winkel blieb seiner erzählerischen Vorliebe treu. Begleitet von Petra und Hennig Grossmann, erzählte der Barde in seinen Liedern vom Alltag. Seine Texte, sehr gefühlvoll, doch keinesfalls schmalzig, berührten, weil sie immer wieder als innerliches Echo ein Stimmt hervorriefen. „Das kann man noch gebrauchen“schildert eigentlich die Tragik eines Messie-Leben, doch auch mancher Zuhörer fand sich in dem Song wieder und applaudierte begeistert. Petra und Henning Grossmann ließen den Vortrag durch ihre instrumentale Unterstützung, noch lebendiger klingen. Im krassen Gegensatz zum Westernrhytmus, der die Füße zum Wippen animiert, beschäftigt sich Winkel inhaltlich in einem sehr gefühlvollen Lied mir der Liebe, die im Alter noch ihren Platz haben sollte.
Achimer Kreisblatt

Der Liedermacher Werner Winkel hat am Donnerstag für den musikalischen Türöffner der neuen Saison im Bergwerg in Quelkhorn gesorgt. Der Künstler der schon seit fast 40 Jahren auf der Bühne steht, sang zwischen Pizza und Pernod über die Alltäglichkeiten des Lebens.
Werner  Winkel hat musikalisch Ecken und Kanten. Und wenn er intoniert, wirkt es eher wie ein Tischgespräch unter guten Freunden: „Ich bin völlig ausgebrannt, hab den Blues, wo soll ich hin. Midlife.Crisis, alles dreht sich, such den Lebenssinn.“  Sein Publikum ist an diesem Abend wie er, gedanklich und auch altersmäßig. Schnell ist man sich einig. Werner kommt an, bis in den letzten Winkel.
Weser Kurier